Das Waldschmuckstück

Eine Spurensuche und Neudeutung des Stadtnamens Greifswald.

In und um Greifswald taucht hin und wieder die Frage nach der Namensherkunft der Stadt auf.

Gab es wirklich einen großen vierfüßigen Greif mit einem doppelten Schwanz der, nahe des Grundungsortes der Siedlung, in einem dichten Wald brütete oder woher kommt der "Greif" und was kann er bedeuten?

Jüngst bin ich beim Wandern durch Netz und digitale Bibliotheken auf folgenden Text gestoßen:

Der Name der Stadt Greifswald.

I.

Man hat verschiedene Erzählungen darüber, woher der Name der Stadt Greifswald stammen möge. Einige meinen, in alten Zeiten, als der Ryckfluß noch schiffbar gewesen, hätten an der Stelle der jetzigen Stadt Seeräuber gewohnt, und weil auf gotisch ein Seeräuber "Grife" oder "Gripe" heiße, so habe die Stadt davon ihren Namen bekommen.

Andere sagen, in der Gegend, wo jetzt die Stadt stehe, habe früher ein altes adliges Geschlecht gewohnt, das „Gripes" geheißen habe und das wegen seiner vielen Räubereien zuletzt ausgerottet sei. Weil nun ein Teil von dem Walde, in welchem nachher die Stadt erbaut wurde, dieser Familie Gripes zugehört habe, habe man die Stadt „Gripeswold" und späterhin „Greifswald" genannt.

II

Greifswald hat seinen Namen von einem alten, "der Wald" genannten Dorfe, an dessen Stelle die Stadt gegründet wurde, wie auch aus Saxo Grammatikus ersichtlich ­ist, der gelegentlich einen Hafen gleichen Namens erwähnt. ­Daß die Gegend, wo die Stadt liegt, einst bewaldet ­gewesen ist, bezeugen die hohen Eichen des benachbarten ­Rosentals, wie auch riesige Baumwurzeln, die man im Boden der Stadt und ihrer Umgebung findet.

Den ersten Teil des Namens führt die Stadt nicht, wie man allgemein annimmt, von dem Vogel Greif, der hier nistete, sondern von dem ihr aus besonderer Gnade verliehenen herzoglichen Wappen oder von der berühmten, aus dem alten Henetervolke stammenden und in dieser Gegend ansässigen Adelsfamilie der Greifen, von der auch die pommerschen Herzöge ihren Stammbaum herleiten. Beide führen den Greif im Wappen, und ihnen zu Ehren wurden nach diesem Emblem mehrere pommersche Städte benannt: Greifenberg, Greifenhagen und auch Greifswald. Die älteste Besiedlung dieser Stadt geschah durch Sachsen.

Aus Greifswalder Sagen, Greifswald 1925, S. 111 ff.

Ein Kleinod

Der Verweis auf den "Räuberwald" war mir bereits bekannt, jedoch nicht mit der gotischen Herleitung. Im Plattdeutschen existiert "griepen" und kann kann in diesem Zusammenhang als "klauen" verwendet werden.

Ein Abstecher (haha, Räuber) über das Gotische zum Altnordischen öffnet eine mögliche Verbindung zu "gripr" ("grip"-Suchbegriff bei Wikiling in der Kategorie Altnorisch) und fördert "Eigentum" oder "Kleinod" als Bedeutung zu Tage.

Ein mögliches Waldschmuckstück also, sehr hübsch! Das gefällt mir.

Von dem "Wald-Kleinod" ist heute, an der ursprünglichen Stelle (Schuhhagen), nichts mehr zu sehen. Das erwähnte "Rosental", (gegenwärtig: Hafen, Holzteichsiedlung (OBACHT!) und Werft) ist eher von jungen Ahorn-, Birken- und Weiden-Bäumen bewachsen als von alten Eichen.

Selbst in der ältesten Stadtbeschreibung von Greifswald (Takkes, 1593/1607) ist von einem Wald oder Bäumen keine Spur:

"Die Stadt hat nämlich kein Holz [...]".

Gewiss haben Bautätigkeiten, heizen gegen die Kälte ("[...] nur Weinstöcke gedeihen der Winterkälte wegen nicht.") und die Salzgewinnung dem schmucken Eichenwald ein Ende bereitet.

Was es jedoch immer gab und auch heute noch gibt ist der Wind - mal mehr, mal weniger:

"Die Luft ist der Gesundheit zuträglich, rein, nicht stürmisch noch neblig; ihre lebhafte Bewegung bewirkt, dass bösartige Krankheiten seltener auftreten."

Heute findet sich im Elisenhain ein schmucker Wald bei Greifswald.